Die Statistik zeigt die Zahl der in Folge von Kampfhandlungen getöteten und verletzten zivilen Opfer in Afghanistan in den Jahren von 2009 bis 2023 (erfasste Fälle). Im Jahr 2021 wurden bis zum 14. August in Afghanistan getötete zivile Opfer infolge von Kampfhandlungen erfasst. Seit der Übernahme der Taliban wurden in Folge von Kampfhandlungen bis zum 30. Mai 2023 Zivilist:innen getötet und weitere verletzt. Im Jahr 2023 hat die Anzahl der durch Kampfhandlungen getöteten Zivilist:innen in Afghanistan deutlich nachgelassen. Seit der Machtübernahme sind aktive Kampfhandlungen deutlich zurückgegangen, viele Zivilist:innen sterben aber weiterhin durch nicht explodierte Sprengkörper und Minen.
Taliban haben nach Rückzug wieder Macht übernommen
Nach dem Rückzug der US-Truppen und ihrer NATO-Verbündeten, zu denen auch die Bundeswehr gehört, haben die Taliban mehrere Offensiven gestartet und dabei in relativ kurzer Zeit den Großteil der Bezirke Afghanistans eingenommen. Die afghanische Armee hatte zunächst große Probleme, sich gegen die radikalislamische Miliz zu Wehr zu setzen, später haben sich laut Medienberichten Teile der Armee sogar kampflos ergeben. Im Juni und Juli eroberten die Taliban bereits viele Grenzübergänge, ab August haben sie dann die Kontrolle einiger Provinzhauptstädte übernommen. Beim Vorrücken auf Kabul Mitte August gab es Medienberichten zufolge teilweise schwere Kämpfe, dennoch eroberten die Taliban die afghanische Hauptstadt binnen weniger Stunden und verkündeten den Sieg. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani floh währenddessen aus dem Land. Die USA und Großbritannien schickten bzw. Soldaten nach Kabul, um die Ausreise des diplomatischen Personals und ehemaliger afghanischer Ortskräfte zu sichern. Mitte August war die Lage noch unübersichtlich und teilweise chaotisch, viele Menschen befanden sich auf der Flucht vor den Taliban.
20 Jahre Einsatz von UN bzw. NATO und USA in Afghanistan
20 Jahre ist es her, als bei einem Terroranschlag in den Vereinigten Staaten von Amerika islamistische Attentäter Flugzeuge entführten und unter anderem in die Türme des World Trade Center abstürzen ließen. Die Anschläge des . September 2001 gelten als die schwersten in der Geschichte der USA. Als Reaktion der Weltgemeinschaft und der Vereinigten Staaten begannen die Militäreinsätze Operation Enduring Freedom (OEF) und International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan. Während die OEF der USA zum Krieg gegen den Terrorismus aufrief, sollte die ISAF-Mission der UN und später der NATO das bis dahin herrschende islamistische Taliban-Regime absetzen, um gemeinsam mit der neuen afghanischen Regierung das Land zu stabilisieren. Im Juli 2021 endeten die an diese Missionen anschließenden Operationen Resolute Support und Operation Freedom's Sentinel (OFS).
Bilanz nach 20 Jahren Einsatz in Afghanistan
Fast genau zwei Jahrzehnte dauerten die Einsätze von UN bzw. NATO und den USA in Afghanistan an. Rund Soldaten und Soldatinnen der westlichen Allianz ließen bis 2020 bei den Operationen OEF und OFS ihr Leben, bei den zivilen Opfern lag die Anzahl der bei Kampfhandlungen Getöteten in Afghanistan zwischen 2010 und 2020 bei über . Auch die Bundeswehr beteiligte sich seit 2001 an den Missionen in Afghanistan. Fast Soldaten und Soldatinnen aus 36 Nationen waren zuletzt Teil der Operation Resolute Support. Die meisten davon kamen aus den USA. Mit Soldaten und Soldatinnen stellte Deutschland das Land mit der zweitgrößten Truppenstärke. Die Ausgaben der Bundeswehr für die militärischen Missionen in Afghanistan beliefen sich im Jahr 2020 noch auf rund Millionen Euro.